Unsere Körperhaltung – und deren Auswirkungen

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Geschrieben von Ute Brunnert-Köning (Physiotherapeutin, Osteopathin, Heilpraktikerin)

Die krumme Körperhaltung – Jeder kennt sie!

In meiner physiotherapeutischen und osteopathischen Arbeit sehe ich täglich die negativen Auswirkungen dieser, die Körperstrukturen belastenden und Körperfunktionen einschränkenden, krummen Körperhaltung.     Da wir doch alle gesund bleiben möchten und gesund altern möchten (Longevity), liegt es mir sehr am Herzen euch zu zeigen wir ihr relativ einfach, eine gesunde, aufrechte Körperhaltung einnehmen könnt. 

Keine Angst! Natürlich darf man auch mal krumm sitzen oder krumm stehen und sich hinfleetzen. Das mache ich auch! Es ist alles nur eine Frage der Häufigkeit, des Ausmaßes und der Dauer, denn die Dosis macht das Gift. Mir ist es wichtig, euch eure Körperhaltung und die entsprechenden positiven und negativen Auswirkungen bewusst zu machen. Ich möchte euch für eure Körperhaltung zu sensibilisieren. Und dazu möchte ich euch zuerst einmal aufzeigen, welche Konsequenzen eine häufig eingenommene krumme Haltung auf Dauer haben kann. 

Warum ist eine aufgerichtete Haltung so wichtig?   

Jeder von euch denkt bestimmt erst einmal an die Wirbelsäule. Ja, natürlich wird auch sie in der krummen Körperhaltung ungünstig belastet. Aber, und jetzt wird es spannend, viele Körperfunktionen an die ihr in diesem Zusammenhang bestimmt nicht gedacht habt, werden durch die krumme Körperhaltung negativ beeinflusst.

Auswirkungen auf unsere Organe

In meiner osteopathischen Arbeit stoße ich häufig auf bewegungs- u. funktionseingeschränkte Organe. Nicht selten ist auch hier eine häufig eingenommene krumme Körperhaltung mit ursächlich. Ich erkläre euch warum:

Setzt euch auf einen ausreichend hohen Stuhl/Hocker mit breiter Oberschenkelposition. Nehmt eine Hand auf den Bauchnabel und die andere Hand auf das Brustbein. Kippt euer Becken nun nach vorne und richtet euch auf. Der Abstand zwischen euren Händen wird groß (viel Platz im Bauchraum!). Nun lasst euer Becken nach hinten fallen. Ihr werdet automatisch krumm und eure Hände berühren sich fast (wenig Platz im Bauchraum!). Spürt wie der Bauchraum eingeengt wird, wenn ihr euer Becken (vielleicht mal sehr weit) nach hinten fallen lasst. Merkt ihr wie sich der Druck im Bauchraum durch Zusammensacken des Rumpfes erhöht und eure Organe eingequetscht werden? 

Das Gegenteil ist der Fall, wenn ihr das Becken nach vorne kippt: Euer Bauch wird lang, der Brustkorb hebt sich, die Bauch- und Thoraxorgane haben wunderbar Platz um gut ihren jeweiligen Aufgaben nachgehen zu können aber auch, und das ist sehr wichtig, um selber gut z. B. mit Blut versorgt bzw. entsorgt (Stoffwechsel) zu werden. So wirkt sich die aufrechte Haltung positiv auf die Organe aus.

Hier einige interessante Beispiele dazu:

Der Magen: In der krummen Körperhaltung kommt es zur Druckerhöhung im Bauchraum und dadurch, je nach Füllungszustandes des Magens, zu einem mehr oder minder großen Druck des Mageninhalts gegen den Schließmuskel zur Speiseröhre. Hierdurch kann der Reflux der Magensäure in die Speiseröhre begünstigt werden. Es kann Sodbrennen entstehen.

Das Herz: Ein gefüllter Magen oder Gasansammlungen im Magen-Darm-Trakt drücken in der krummen Körperhaltung verstärkt das Zwerchfell nach oben gegen das Herz und können so u. U. Herzsymptome machen (Roemheld-Syndrom)

Der Darm: Die Beweglichkeit/Peristaltik des Darms ist essentiell für die Verdauung. Deshalb kann eine häufig eingenommene krumme Körperhaltung durch Einschränkung dieser Beweglichkeit die Darmfunktion einschränken und Verstopfung oder Blähungen durch Gasansammlungen begünstigen.

Die Lungen und das Zwerchfell: Das Vitalkapazität ist gemessen in der aufgerichteten Körperhaltung deutlich höher als in der zusammengesackten, krummen Haltung. Auch für Sportler nicht uninteressant.

In der krummen Körperhaltung kommt es letztlich eher zu einem Absinken der Organe und deshalb ist diese Haltung, häufig eingenommen, ungünstig für die Organe. Aber nicht nur für sie. Auch der Beckenboden, also der muskuläre und bindegewebige Verschluss unseres Beckens nach unten, wird durch die Druckerhöhung in der krummen Körperhaltung belastet. Dieses kann, insbesondere im Alter, Harn-u. Stuhlinkontinenz fördern.  Venöse und lymphatische Stauungen in den unteren Extremitäten werden in der krummen Körperhaltung ebenfalls durch die Druckerhöhung im Bauchraum negativ beeinflusst.

Auswirkungen auf die Wirbelsäule und den Bewegungsapparat

In der krummen Körperhaltung kommt es zum Hamburger Effekt. Ihr kennt das: Man beißt (vorne) in den Burger rein und das Patty flutscht nach hinten raus. Ähnliches geschieht mit den Bandscheiben. In der krummen Körperhaltung entsteht ein Druck auf die vorderen Bandscheibenbereiche und ein Zug auf den hinteren Anteil. Passiert das häufig oder dauerhaft, vielleicht in Kombination mit ungünstigen Scherbewegungen und ungünstiger Versorgung der Strukturen, wird das Gewebe irgendwann der Belastung nachgeben. Der äußere Faserring der Bandscheibe wird porös, reißt und der innere Kern der Bandscheibe tritt aus. Je nachdem wohin dieser Kern austritt macht ein so genannter Bandscheibenvorfall z. T. erhebliche Probleme.

Durch eine häufig eingenommene krumme, nicht aufgerichtete Körperhaltung entstehen aber auch muskuläre und fasziale (bindegewebige) Dysbalancen, und zwar, da unsere Muskeln und Faszien in Ketten arbeiten, am gesamten Bewegungsapparat. Es kommt zu myofaszialen Verkürzungen der, in der krummen Körperhaltung angenäherten v. a. vorderen Muskeln und Faszien und zugleich zu einer Abschwächung der aufrichtenden v. a. hinteren Muskeln. Solche myofaszialen Dysbalancen führen oft zu Schmerzen und begünstigen strukturelle und arthrotische Veränderungen am gesamten Bewegungssystem. 

In der krummen Körperhaltung kommt es außerdem, da wir nicht zum Boden sondern geradeaus nach vorne schauen wollen, automatisch zu einer Überstreckung im Bereich der oberen Halswirbelsäule mit Kopfvorschub. Ein so genannter „Witwenbuckel“ kann sich im Nacken ausbilden. Nicht nur unschön, auch oft funktionell problematisch. Außerdem kann es durch die Überstreckung des Nackens und damit verbundener Einengung von Strukturen im Bereich der Kopfgelenke (Atlas/Axis) zu Irritationen nervaler und faszialer Strukturen kommen, die vielfältige Störungsbilder wie u. a. Kopfschmerzen, Schwindel, Ohrgeräusche verursachen können.

Ungesunde Körperhaltung - Witwenbuckel

Der Kopfvorschub macht z. B. auch einen Zug auf die mundöffnende Muskulatur. Da wir aber meistens gerne einen geschlossenen Mund haben möchten, halten die mundschließenden Muskeln dauernd dagegen. Die Konsequenz sind muskuläre Verspannungen und Schmerzen im Bereich der Kiefergelenke.

Weitere Auswirkungen

Körpersprache und Ausstrahlung
Ein Mensch in aufgerichteter Haltung wirkt selbstbewusst, attraktiv, aktiv und energievoll. In der krummen Haltung wirkt man dagegen wenig selbstbewusst, ängstlich, müde.                                                                          

Ästhetik
Eine aufgerichtete Körperhaltung verbinden wir mit Schönheit. Denkt an Models auf dem Laufsteg. Sie haben immer eine perfekt aufgerichtete Haltung. Und wirklich, probiert es aus und stellt euch seitlich zum Spiegel: In der krummen Körperhaltung hat man viel mehr der unschönen Röllchen am Bauch durch die Rumpfverkürzung und ihr seid deutlich kleiner. In der aufgerichteten, gesunden Haltung sind diese Röllchen durch den Längengewinn des Rumpfes, wie durch ein Wunder, viel weniger. Auch ein schöner Effekt.

Ich könnte euch noch viele weitere funktionelle und strukturelle Störmöglichkeiten durch eine häufig eingenommene krumme Körperhaltung aufzeigen. Wenn ich so schreibe bin ich selber verblüfft wie viele ungünstige Auswirkungen das häufige Einnehmen der krummen Körperhaltung auf den gesamten Körper haben kann.                                                       

Es lohnt sich also sehr an seiner Körperhaltung zu arbeiten und nicht immer, aber immer öfter die gesunde, aufgerichtete Haltung einzunehmen. Wie genau das aussehen kann, zeige ich euch im nächsten Beitrag.

Ute Brunnert-Köning
(Physiotherapeutin, Osteopathin, Heilpraktikerin)

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